Pflege-Skandal um Senecura: KPÖ PLUS will wirksame Kontrollen und Pflegeheime in öffentlicher Hand

8. September 2022

Ein Bericht der Volksanwaltschaft zeigt schwerwiegende Missstände im Pflegeheim Lehen, das von der Firma Senecura betrieben wird. „Wenn BewohnerInnen wundliegen und hungern, aber der Grüne Pflegelandesrat Schellhorn sagt, die gesetzlichen Mindeststandards waren erfüllt, ist das eine Bankrotterklärung. ÖVP und Grüne sitzen seit neun Jahren in der Landesregierung, aber es gibt bis heute keine wirksamen Kontrollen. Wie hoch ist die Dunkelziffer von Bewohnern, die hungern und an Schmerzen leiden, aber wo zufällig niemand hinschaut?“, sagt Gemeinderat Kay-Michael Dankl zum Bericht der Volksanwaltschaft, der die Lage im Senecura-Pflegeheim in Lehen als Kategorie 0 einstuft, das heißt „gefährliche Pflege“.

Der Heimaufsicht des Landes waren Beschwerden seit dem Vorjahr bekannt, aber das Land hatte es verabsäumt, die gravierenden Pflegemängel festzustellen und verbindliche Maßnahmen einzufordern. Noch im April 2022 meldete die Heimaufsicht, es gäbe zwar Personal-, aber keine Pflegemängel. Erst der aktuelle Bericht der Volksanwaltschaft bringt die skandalösen Pflegemängel ans Licht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Quälen und Vernachlässigung.

Menschenwürdige Pflege ist eine öffentliche Aufgabe
„Wir werden alle einmal alt. Eine menschenwürdige Pflege ist eine öffentliche Aufgabe. Senecura, das seit 2015 Teil von Orpea ist, dem größten profitorientierten Pflegekonzerns Europas ist, hat sich disqualifiziert. Ein Pflegekonzern, dem Aktionärs-Dividenden näher sind als das Wohl der Menschen, hat in Salzburg nichts verloren“, sagt Dankl in Anspielung auf den Firmen-Slogan.

Stadt soll Heim-Standort übernehmen
Der Konzern Orpea betreibt von Portugal bis Polen über tausend Pflegeheime und Kliniken. Sein Geschäftsmodell lässt der Konzern sich auch mit öffentlichen Geldern finanzieren. In Salzburg-Lehen wurde Senecura neben laufenden Zahlungen auch beim Bau der Anlage durch die Wohnbaugenossenschaft „Die Salzburg“ im Jahr 2012 mit 4,8 Mio. Euro der Stadt unterstützt. „Das Milliardengeschäft mit der Pflege geht auf Kosten des Personals und der Bewohner. Zwar tun sich alle Betreiber schwer, Personal zu finden, aber solche Pflegemängel sind ein Skandal. Nachdem Senecura sich selbst disqualifiziert hat, sollten Stadt und Land den Pflegeheim-Standort in Lehen selbst übernehmen“, sagt Dankl: „Das Land hat bei der Aufsicht versagt und muss die Konsequenzen ziehen.“