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Drohender Wohnungsverlust: Salzburgs Politik muss jetzt helfen

Wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit drohen mehr Salzburger ihre Wohnung zu verlieren als bisher. Sozialeinrichtungen, Stadt und Land rechnen mit einem starken Anstieg an Delogierungen. Deshalb wolle die Politik mehr Wohnungen für Obdachlose zur Verfügung stellen, berichtet der ORF Salzburg. Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS) pocht auf eine frühzeitige Hilfe: „Die beste Hilfe bei Wohnungslosigkeit ist, zu verhindern, dass Leute überhaupt ihre Wohnung verlieren. Je früher Stadt und Land helfen, desto mehr Leid und Kosten bleibt uns allen erspart.“

„Wer nach einer Kündigung nur mehr das halbe Einkommen hat, aber die gleichen Fixkosten, ist schnell am Limit“, sagt Dankl. Der durchschnittliche Mietrückstand bei Delogierungen liegt bei rund 2.300 Euro. Das zeigt eine Erhebung von Wiener Wohnen. „Wer ohne Wohnung dasteht, fällt in ein tiefes Loch. Da wieder rauszukommen, gelingt nur wenigen, ist aufwändig und teurer für die Allgemeinheit“, sagt Dankl.

Delogierungshilfe spart dem Staat Geld
„Die Wohnung zu verlieren, ist sozial, gesundheitlich und psychisch eine Katastrophe. Da rechtzeitig zu helfen, ist ein soziales und humanistisches Gebot. Es macht für die öffentliche Hand aber auch wirtschaftlich Sinn, eine Delogierung im Vorhinein schon zu verhindern“, sagt Dankl. Eine Studie des Deutschen Städtetages hat gezeigt, dass die Kosten von Wohnungslosigkeit für die öffentliche Hand siebenmal teurer sind als die Prävention.

In Finnland, wo die Regierung allen Obdachlosen Wohnungen zur Verfügung stellt, spare sich der Staat 15.000 Euro pro früheren Obdachlosen, so die Auskunft von Juha Kaakinen, Leiterin der NGO, die diesen „Housing First“-Ansatz umsetzt gegenüber der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. Das liege an der gesunkenen Zahl an von Obdachlosen verursachten medizinischen Notfällen, Polizeieinsätzen und niedrigeren Kosten im Sozial- und Justizsystem.

Hilfsfonds für Salzburg gefordert
Nach der letzten Finanzkrise von 2008 stieg die Zahl der Obdachlosen in Österreich um zwei Drittel von 9.000 auf 15.000. Infolge der Corona-Krise erwartet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO) nun erneut einen starken Anstieg. Die letzte Wohnbedarfserhebung ergab, dass 300 Menschen in der Stadt Salzburg obdachlos und rund 1.100 wohnungslos sind.

„In Finnland spart sich der Staat durch erfolgreiche Prävention 15.000 Euro pro Obdachlosen. Es ist günstiger, wenn Stadt und Land den gefährdeten Mietern bei den Rückständen von durchschnittlich 2.000 Euro unter die Arme, als wenn diese auf der Straße landen“, sagt Dankl: „Es braucht einen gemeinsamen Hilfs-Fonds von Stadt und Land, um bei drohenden Wohnungsverlust zu helfen. Ich appelliere da an die finanzpolitische Vernunft und Weitsicht von Bürgermeister Preuner und Landeshauptmann Haslauer.“

Die Stadt Salzburg hat für dieses Jahr 200.000 Euro für Corona-Härtefälle budgetiert, aber noch keine Kriterien für die Vergabe definiert. Ein Teil davon sollte verwendet werden, um bei drohenden Delogierungen zu helfen, fordert Dankl.