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Gersberg: Luxusapartments verdrängen Wohnungen

Zwanzig Jahre nach der Privatisierung tausender Wohnungen durch die ÖVP-FPÖ-Regierung Schüssel/Grasser sorgt die Causa auch in der Salzburger Stadtpolitik für Aufregung: Am Gersberg in Parsch haben teure Luxus-Apartments die ehemaligen Bundeswohnungen verdrängt. Die Kaufpreise der Penthouse-Wohnungen über dem Ludwig-Schmederer-Platz betragen astronomische 13.500 Euro pro Quadratmeter. „Hier wurden öffentliche Wohnungen privatisiert, abgerissen und durch Luxus-Immobilien verdrängt. Das ist ein wohnungspolitischer Skandal der Sonderklasse. Für die Salzburger Wohnbevölkerung ist diese Fläche jetzt für immer verloren“, kritisiert Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS).  

130 Jahre turbulente Vorgeschichte
Das Gebäude am Judenbergweg 9 hat eine turbulente Vorgeschichte. Im Jahr 1889 ließ der Architekt und Unternehmer Jakob Ceconi hier eine Gründerzeitvilla erbauen. Zwanzig Jahre lang diente sie als „Kaltwasser-Curanstalt“, bevor das Hotel in den Konkurs schlitterte. Es wurde zwangsversteigert und als Sanatorium neu eröffnet. In den 1920ern machte sich ein Sumpf aus Korruption, Misswirtschaft und Versicherungsbetrug breit, der 1936 in einem Skandal aus gefälschten Bilanzen und einem Millionenminus gipfelte. Das Unternehmen ging bankrott und wurde vom Staat übernommen. Nach Kriegsende 1945 übernahmen die US-Amerikaner das Anwesen. Sie richteten eine Lungenheilanstalt für Geflüchtete und Vertriebene ein, danach Wohnungen für Offiziere. In den 1950ern übernahm die Republik die Anlage und richtete Wohnungen ein. Über fünfzig Jahre lang dienten sie als Dienstwohnungen für öffentlich Bedienstete.

Umstrittene Privatisierung
Unter der Regierung Schüssel-Grasser (2000-2005) wurden zwölf Staatsbeteiligungen, fünf Bundeswohngesellschaften, die Bundesimmobiliengesellschaft und über 1.600 Grundstücke der Bundesforste privatisiert. Im Dezember 2003 wurden auf politische Anweisung 3.900 Wohnungen der BIG verkauft. Schon im Juli 2002 wurden diese Immobilien von der Republik an die 2001 gegründete BIG übertragen. Die Käufer waren ein Konsortium rund um den Investor Rudolf Fries und den Fruchtsafthersteller Walter Scherb. Schon damals wurde der Kaufpreis von 145 Mio. Euro als zu billig kritisiert. Ein Teil dieses Pakets waren auch die Wohnungen am Gersberg. Nach der Privatisierung 2003 wechselte das Objekt mehrmals die Hände. Es wurde 2007 und 2015 von einer Immobilienfirma an die nächste verkauft, bis es im Juli 2017 bei der Gachowetz Immobilien GmbH landete, die ab 2018 das Luxus-Projekt entwickelte. 

Drei-Zimmer-Wohnung für 2,1 Millionen
Als „Luxus-Penthouse mit Blick auf die Altstadt“ werden die 21 neuen Apartments beim Projekt “Park am Gersberg” angepriesen. Die Immobilien kämen mit einem uneinsehbaren Parkgrundstück von 8.000 Quadratmeter Größe, einer Tiefgarage mit 46 Stellplätzen und einer eigenen Privatstraße. Die ersten Wohnungen wurden Anfang des Jahres übegeben. Eines der Luxus-Apartments wird bis heute im Internet zum Kauf angeboten – um 2,1 Millionen Euro für die 3-Zimmer-Wohnungen. Das entspricht mehr als 14.100 Euro pro Quadratmeter. 

Forderung: Privatisierungsstopp
„Unabhängig davon, wie die Gerichte urteilen, ist die Privatisierung der Bundeswohnungen am Gersberg ein Skandal. Die Privatisierung war eine Goldgrube für Investoren, aber eine Katastrophe für die Bevölkerung. Das Grundstück wäre ideal gewesen, um leistbare Wohnungen für junge Familien zu bauen: die Nähe zur O-Bus-Linie 6, zum Kindergarten und zur Volksschule“, sagt Dankl: „Für die Zukunft braucht es einen Privatisierungsstopp für Wohnungen und Grundstücke. Wenn Bundesbehörden oder öffentliche Unternehmen Grundstücke privatisieren, braucht es eine automatische Benachrichtigung der Stadt Salzburg. Die Stadt kann dann intervenieren und im Notfall das Grundstück selbst für leistbares Wohnen sichern.“