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Appell an Landeshauptmann: Stromabschaltungen aussetzen

Ausgerechnet in der kalten Jahreszeit verlieren immer mehr SalzburgerInnen den Strom. Seit Beginn der Corona-Krise müssen viele Haushalte mit weniger Geld auskommen. Viele haben ihre Ersparnisse in den letzten Monaten aufgebraucht. Wer schon davor bei den monatlichen Ausgaben für Wohnen, Essen und Mobilität am Anschlag war, gerät jetzt mit Rechnungen schnell in einen Rückstand. Eine Folge: Die Caritas Salzburg und das Netzwerk ArMut Teilen berichten von bis zu einem Drittel mehr Anfragen wegen drohender Stromabschaltungen.

Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS) appelliert nun in einem offenen Brief an Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), als Eigentümervertreter des Landes dafür zu sorgen, dass die Salzburg AG Stromabschaltungen zumindest bis zum Frühjahr auszusetzen.

Kein Licht, ein Tee, kein Radio
„Ohne Strom geht nichts mehr: Man sitzt im Dunkeln, kann nichts kochen und nicht einmal im Radio Nachrichten hören. Sogar für eine warme Tasse Tee ist man auf Bekannte angewiesen, die man Corona-bedingt aber nicht treffen sollte“, sagt Dankl: „Wenn die Politik in einem reichen Land wie Österreich schon nicht aus humanistischen Gründen handelt, dann sollte sie es zumindest aus rationalen Gründen tun: Wer in einer kalten, dunkeln Wohnung leben muss, wird eher krank. Jede Spitalsbehandlung kostet mehr die üblichen Stromrückstände. Außerdem stehen die Krankenhäuser ohnehin am Rand ihrer Belastbarkeit.“

Kein bundesweiter Abschaltestopp
Zum ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie im Frühjahr hatte die Bundesregierung mit Energieunternehmen noch einen Abschaltestopp vereinbart. Im April und Mai wurde keinem Haushalt der Storm abgedreht. Laut der Regulierungsbehörde E-Control blieben so 8.174 Haushalte vom Stromverlust verschont. Für den aktuellen, dramatischeren Corona-Höhepunkt hat das zuständige Klimaministerium aber keine Lösung mehr auf Schiene gebracht. „Ausgerechnet jetzt, wo es kalt ist und früher dunkel wird, verlieren Menschen die Stromversorgung. Wenn die Bundesregierung das Problem nicht mehr am Schirm hat, braucht es eine regionale Lösung für Salzburg“, sagt Dankl.

5 Mio. Euro-Fonds
Bei der Salzburg AG seien die Mittel vorhanden, um betroffene Haushalte bei Stromrückständen zu entlasten, argumentiert Dankl. Denn die Salzburg AG muss infolge eines Gerichtsurteils insgesamt 5 Millionen Euro an Stromkunden zurückzahlen. Das müssen die Kunden aber bis Ende Dezember von sich aus aktiv beantragen. Wie viele der 200.000 Stromkunden das getan haben, verschweigt das Unternehmen.

„Es ist anzunehmen, dass viele Stromkunden keinen Antrag stellen und der Salzburg AG Millionen Euro bleiben, die eigentlich den Kunden gehören. Im Sinne des öffentlichen Interesses könnten mit diesem Geld Stromabschaltungen verhindert werden“, sagt Dankl.