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Benachteiligt Salzburgs Wohnungspolitik die Frauen?

Während die Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen gut erforscht ist, gibt es bei der Verteilung von Vermögen noch viele offene Fragen. Eine Studie der Arbeiterkammer Wien hat gezeigt, dass Frauen in Österreich im Durchschnitt um 23% weniger Netto-Vermögen besitzen als Männer (2017). Diese Lücke müsse von der Politik mitgedacht werden, etwa bei der Schaffung von leistbaren Wohnraum, fordert Frauensprecherin Sabine Helmberger (KPÖ PLUS): „Eine gute Wohnungspolitik nutzt allen. Aber eine schlechte Wohnungspolitik trifft Frauen am härtesten.“

Teures Wohnen für Frauen besonders belastend
Statistisch gesehen sind teure Wohnkosten für Frauen in allen Phasen des Lebens schwerer zu stemmen. Laut Statistik Austria von 2018 sind 44% der alleinerziehenden Eltern (davon sind neun von zehn Frauen) armutsgefährdet. Für Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, sind teure Wohnkosten eine Hürde, einen gewalttätigen Partner zu verlassen. Im Alter bekommen Frauen durchschnittlich 43% weniger Pension als Männer. Im Jahr 2018 bekam die Hälfte der Pensionistinnen weniger als 870 Euro im Monat. Ein Viertel der alleinlebenden Frauen über 65 gilt als finanziell benachteiligt. Sie können ihre Wohnung im Winter nicht warmhalten, regelmäßige Rechnungen nicht begleichen und unerwartete Reparaturen nicht bezahlen.

Evaluierung der Wohnungspolitik gefordert
„Frauen haben durchschnittlich ein Viertel weniger Vermögen in der Hand als Männer. Für sie ist es besonders schwierig, eine teure Eigentumswohnungen zu bezahlen“, sagt Helmberger. In Salzburg werden mit der neuen Wohnbauförderung des Landes und dem geänderten Verteilungsschlüssel der Stadt Eigentumswohnungen zu Lasten des Mietwohnbaus gefördert.

Helmberger schlägt gemeinsam mit Gemeinderat Kay-Michael Dankl vor, dass die Stadt Salzburg mit einer wissenschaftlichen Studie überprüft, ob die Eigentums-zentrierte Wohnungspolitik Frauen tatsächlich benachteiligt. „Sollte die Stadt nicht dazu bereit sein, könnte die Arbeiterkammer Salzburg eine solche Studie durchführen“, ergänzt Dankl. Das sei auch eine Gelegenheit, die Arbeit der SP-nahen Genossenschaften, die im Bundesländer-Vergleich stark auf Eigentum setzen, selbstkritisch einer Überprüfung zu unterziehen.