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Vorbild Luxemburg: Gratis Öffis auch für Salzburg gefordert

Ab heute, 1. März, führt Luxemburg “gratis Öffis” ein. Wer mit dem Bus, Straßenbahn oder Zug fährt, braucht kein Ticket mehr. Es reicht, einen Ausweis zu zeigen. Lediglich Fahrten in der 1. Klasse sind weiterhin zu bezahlen. Die Ticketverkäufer und Kontrolleure erhalten neue Aufgabenbereiche. Die Maßnahme gilt für die Bewohner ebenso wie für Pendler und Besucher. Gleichzeitig werden die Bus- und Straßenbahnlinien ausgebaut. “Luxemburg zeigt: Es geht, gratis Öffis sind machbar. Gratis Öffis sind kein Allheilmittel, aber eine wichtige finanzielle Entlastung und ein Anreiz zum Umsteigen”, sagt Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS). Er will “gratis Öffis” auch für die Stadt Salzburg als erste Gemeinde in Österreich diskutieren.

Verkehr als soziale Frage
“Wer im Monat mit 900 Euro auskommen muss, für den ist ein Monatsticket um 59 Euro eine schwere Belastung”, sagt Dankl. Das 365-Euro-Ticket für ein Jahr ist für viele, die nicht täglich mit dem Bus fahren, ein überteuertes Angebot. Hohe Ticketpreise würden in erster Linie junge und ältere Menschen treffen. Niedrigere Preise bedeuten hingegen mehr Möglichkeiten und mehr Selbstbestimmung. Außerdem seien gratis Öffis ein starker Anreiz, umzusteigen. “Wer die Verkehrsentlastung und den Klimaschutz ernst meint, muss die Öffis gratis machen”, sagt Dankl. Bei der jüngsten Tarifreform des Landes sei die Stadt auf der Strecke geblieben; die Preise sind unverändert hoch.

Nur ein Drittel der Gelder aus Ticketeinnahmen
Bereits jetzt stammen laut dem früheren E-Control Vorstand Walter Bolz durchschnittlich nur ein Drittel der Gelder des öffentlichen Verkehrs aus den Ticketeinnahmen. Nach Vorstellung von KPÖ PLUS soll die Freifahrt zuerst für die Stadt-Salzburger kommen, bis die Umlandgemeinden und das Land Salzburg sich an der Finanzierung beteiligen. Zur Finanzierung könnten, wie von den Stadt-NEOS vorgeschlagen, 500 Euro pro Reisebus von ReisebustouristInnen, sowie 3 Euro pro Nächtigung eingehoben werden. Bei ca. 40.000 Reisebussen jährlich und 3,1 Mio. Nächtigungen (2018) würde das rund 30 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen, um die Öffi-Freifahrt zu ermöglichen. Die Stadt könnte auch eine Nahverkehrsabgabe für Unternehmen nach Wiener Vorbild einführen, in der Höhe von 10 Euro monatlich pro Beschäftigte/n. Bei rund 67.000 Beschäftigten würde das allein weitere rund 8 Mio. Euro jährlich bringen.

Luxemburg, mit einer Bevölkerung von über 600.000 Menschen vier mal so groß wie die Stadt Salzburg, investiert 40 Millionen Euro in die Freifahrt. Als ersten Schritt könnte die Stadt für alle mit Hauptwohnsitz ein 1-10-100-Ticket einführen: Ein Euro für einen Tag, zehn Euro für einen Monat und hundert Euro für das ganze Jahr.

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