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Ärger über neues Wettbüro im “Perron”

Ärger über neues Wettbüro im “Perron”

Im neuen Prestige-Bau “Perron” am Hauptbahnhof hat mit Anfang Oktober ein weiteres Wettbüro eröffnet – ausgerechnet in Salzburgs ärmsten Stadtteil 

Erst im Juni geriet der neue Glasturm “Perron” in der Rainerstraße am Salzburger Hauptbahnhof in die Schlagzeilen. Damals wurde bekannt, dass Wohnungen in den oberen Stockwerken an Touristen vermietet werden. Jetzt kommt wieder Kritik auf an der Art, wie das im Frühjahr fertiggestellte Gebäude genutzt wurde. Anfang Oktober hat ein Wettlokal im Erdgeschoß seinen Betrieb aufgenommen, Tür an Tür zu einer Bankfiliale. “In der Bahnhofsgegend leben viele Menschen, die wenig Geld haben und prekär leben. Ein weiteres Wettbüro ist das Letzte, was es dort braucht. Damit bekommt das Geschäft mit der Spielsucht noch mehr Raum”, kritisiert Gemeinderat Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS).

Die Elisabeth-Vorstadt gilt in Salzburg als der einkommensschwächste Stadtteil. Eine Konferenz der Salzburger Armutskonferenz von 2012 über Ungleichheit in Salzburg hat gezeigt, dass in keinem Stadtteil so viele Haushalte auf Mindestsicherung angewiesen sind wie in der Elisabeth-Vorstadt. Dort liegt ihr Anteil mit 8,1% deutlich über dem Stadt-Durchschnitt von 5,3%, während es in Aigen und Parsch nur 4,2% und im Süden nur 2,3% waren. Armut gilt als ein zentraler Risikofaktor für Spielsucht. “Viele Menschen hoffen, durch Glücksspiel einen Ausweg aus einer tristen sozialen Lage zu finden. Je größer das Glückspielangebot ist, desto höher ist das Risiko”, sagt Dankl. Schon jetzt ist die Dichte an Wettbüros in der Elisabeth-Vorstadt im Vergleich zu anderen Stadtteilen auffällig hoch.

5000 Salzburger spielsüchtig

Rund 5.000 Salzburger und Salzburgerinnen waren im laut dem Salzburger Institut “Glücksspiel & Abhängigkeit” spielsüchtig oder akut gefährdet (2017). Betroffene, die sich im im selben Jahr an die österreichische Spielsuchthilfe wandten, waren im Durchschnitt mit 58.000 Euro verschuldet. “Spielsucht zerstört Existenzen und ruiniert ganze Familien. Der Wildwuchs beim Geschäft mit der Spielsucht muss gestoppt werden”, fordert Dankl. 

Beim neuen Wettlokal im Perron handelt es sich um eine Filile von “Tipico-Sportwetten”. Der internationale Konzern macht sein Geschäft überwiegend mit Casinos und Sportwetten. Das Unternehmen hat seinen Sitz auf Malta, das in der Europäischen Union als ein Steuersumpf gilt, wo große Profite kaum versteuert werden. 

“Verpasste Chance für Stadtentwicklung”

Die Verantwortung für die problematische Nutzung liege bei der früheren Stadtregierung, so Dankl. Das “Perron” galt als ein Vorzeigeprojekt von Ex-Bürgermeister Heinz Schaden und des Planungsstadtrats Johann Padutsch. “Es ist eine verpasste Chance der Stadtregierung, die Elisabeth-Vorstadt positiv zu entwickeln. Der Platz sollte im Sinne der Bevölkerung genutzt werden, zum Beispiel für ein Bewohnerzentrum oder als Lern- und Aufenthaltsraum für Kinder und Jugendliche”, sagt Dankl. Mit einer schriftlichen Anfrage an die Stadtregierung will der Gemeinderat erfahren, wie es zu diesem stadtplanerischen Versäumnis kam und welche Schritte nun gesetzt werden können. 

Quelle: Ungleichheit in Salzburg nach Stadtteilen, 2012: https://www.meinbezirk.at/salzburg-stadt/c-lokales/so-ungleich-ist-diemozartstadt_a431001

Rückfragehinweis: 

Kay-Michael Dankl
KPÖ PLUS Salzburg
0650 30 78 660 

salzburg@kpoe-plus.at
http://kpoeplus-sbg.at