Profite Gehen Vor

In Salzburg ist Wohnen so teuer wie nirgendwo in Österreich. Selbst die teuren Pflaster Innsbrucks oder Vorarlbergs kosten weniger als Salzburg. Durchschnittlich 37 Prozent ihres Haushaltseinkommens müssen die Salzburgerinnen und Salzburger ausgeben, wenn sie nicht im Regen stehen wollen.

Betrachtet man nur Mietwohnungen sind die Kosten noch höher: Hier verschlingt die Wohnung durchschnittlich 41 % des Einkommens, mit Betriebskosten 46%. Letztere sind in Salzburg besonders hoch. Die Stadt hat die teuerste Kanalgebühr aller Landeshauptstädte. Sie nimmt ein Drittel mehr ein, als für die Sanierung der Kanäle gebraucht wird. Das sind im Jahr 100 Euro pro Haushalt. Auch die Mieten steigen rasant. Ganze 90% bei Neubauwohnungen waren es allein in den 2000er Jahren. Dabei ist es in Salzburg ohnehin schwer, eine leistbare Wohnung zu finden. 7.000 bis 8.000 Wohnungssuchende in der Stadt müssen frustrierend lange warten oder finden überhaupt keine passende Wohnung. Für 1.500 Menschen in Salzburg hat das noch fatalere Folgen: Sie müssen bei Freunden oder Familie unterkommen, weil sie gar keine leistbare Wohnung finden.

Spekulation mit Wohnraum. Fast 5.000 Wohnungen stehen in Salzburg leer. Für Immobilieninvestoren ist das zweitrangig, solange der Gewinn beim Weiterverkauf der Wohnungen stimmt. Anstatt etwas dagegen zu unternehmen, beteiligt sich die Salzburger Stadtregierung daran, die Profite der Investoren zu steigern – auf Kosten von leistbarem Wohnraum. So beschloss sie kürzlich, anstelle früherer ÖBB-Wohnungen am Hauptbahnhof ein Hotel zu bauen.
Die Grünen, die im Gemeinderatswahlkampf leistbares Wohnen fordern, tragen diese Politik für reiche Investoren seit Jahren mit. In der Landesregierung haben sie gemeinsam mit ihrem schwarzen Koalitionspartner 2015 die Wohnbauförderung von 280 auf 144 Millionen Euro halbiert. Von den 200 Millionen Euro, die das Land dieses Jahr für Wohnbau einnimmt, fließen über 50 Millionen in andere Budgetposten, um das Landesbudget aufzupolieren. Tirol hingegen baut die Wohnbauförderung gerade auf 320 Millionen Euro aus. Darüber hinaus hat Salzburgs Schwarz-Grüne Landesregierung auch die Mietpreisbindung für geförderten Wohnraum auf 10 Jahre beschränkt. Das heißt die Eigentümer und Investoren dürfen danach so hohe Mieten verlangen, wie sie wollen. Dass die Grüne Landespolitikerin Martina Berthold das mitbeschließt, aber in der Stadt leistbares Wohnen plakatiert, kann also nicht glaubwürdig sein.

Mieterinnen und Mieter stehen im Regen.
Die Stadtregierung verabsäumt es seit Jahren, leistbaren Wohnraum zu schaffen. Dabei ist kommunaler Wohnbau in Städten wie Graz und Wien der Schlüssel für leistbares Wohnen. Das ist aber nicht alles: So vergab die Salzburger Wohnbaugesellschaft (GSWB), die Stadt und Land gehört, geförderte Wohnungen an gut verdienende Mitarbeiter. Personen mit Gehältern jenseits der 3.000 Euro erhielten so Wohnungen zum Preis von etwa 400 Euro für 70 Quadratmeter.

Ding der Unmöglichkeit.
Wer nicht das Glück oder die nötigen Kontakte hat, um eine geförderte Wohnung zu bekommen, wird von der Stadt Salzburg im Regen stehen gelassen: Beihilfen für und Betriebskosten oder Kaution gibt es nicht, auch Wohnbeihilfe bekommt man nur für Wohnungen, deren Miete maximal 7,45 Euro pro Quadratmeter ausmacht. Am angespannten Salzburger Wohnungsmarkt ist das zunehmend ein Ding der Unmöglichkeit.

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